Anselm Reyle: Muse goes Sabbatical

Testbild4Anselm Reyle hat beschlossen, eine Kreativpause einzulegen – Und nun? Nichts Gewöhnliches für einen Künstler, der über Jahre hinweg erfolgreich produziert und verkauft hat. Interessant ist hierbei jedoch, dass sein Kunstbetrieb eher einem funktionierenden KMU als einem klischeehaften Atelier entspricht. Die Organisation umfasst ca. 50 assistierende Mitarbeiter. Schon einmal hat Wirkungen.net über Reyle und seine verbetrieblichten Produktionsmethoden berichtet. Mit seiner Kunst konnte der gesamte Wertschöpfungsprozess selbst als Aussage gedeutet werden.

Nun nimmt Reyle Abstand von seinem Schaffen- jedenfalls für eine Weile. Laut „Monopol“ (Februarausgabe 2014) sollen keine Ausstellungen mehr stattfinden, geschweige denn für den Verkauf produziert werden. Selbstkritisch bemerkt er, dass er seine Kunstwerke zunehmend zur Finanzierung seines Betriebes herstelle, oft auch durch die Erfüllung von Aufträgen. Besonders die entstehende Eindimensionalität des Betriebsalltags sei ihm dabei aufgefallen. Zudem wären taktische Ziele für die nächste Zeit kaum zu formulieren.

Dabei stellen sich zwei Fragen:

Ist die Kreativpause aus organisationaler Sicht ein Indiz dafür, Kraft für einen Relaunchingprozess sammeln zu wollen, um letztendlich den Lebenszyklus zu verlängern? Gilt somit die Unterbrechung als Maßnahme, den Betrieb aus dem reaktiven Schema durch Abgrenzung herauszuführen? Demnach könnte dies als eine selbstinszenierte Entkoppelung vom Kunstmarkt zur Selbsthygiene gedeutet werden.

Oder: Entgrenzen sich Arbeitszeitmodelle, die dem Wirtschaftssystem entstammen soweit, dass das Kunstsystem auch in dieser Hinsicht ökonomisch überformt wird? Aus arbeitswissenschaftlicher Sicht wäre dabei interessant zu erfahren, inwiefern sich Konzepte des betrieblichen Gesundheitsmanagements auf das künstlerische Handeln übertragen.

Quelle: monopol-magazin.de

Geschrieben in Künstler,Kunstmarkt,Unternehmen von Christian Ziems | 1 Kommentar

1 Kommentar bisher

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  1. 13. Februar 2014 um 11:12 Uhr

    Christian Ziems sagt,

    In einem Interview in „DIE WELT“ erläutert Reyle seine Entscheidung ausführlich und spricht von einem „ziemlich befreienden Gefühl“. Näher geht er auch auf die Kostengrößen ein, die seinen Betrieb eher in einen reproduzierenden Modus geführt haben.

    http://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article124561226/Ein-ziemlich-befreiendes-Gefuehl.html

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