Eine Umwanderung entlang des Bitterfelder Weges. Über Umwege.

585px-Bundesarchiv_Bild_183-63679-0006,_1._Bitterfelder_Konferenz,_StrittmatterErwin Strittmatter bei der 1. Bitterfelder Konferenz; Quelle: Bundesarchiv

Innovativität und Kreativität können wohl als Motor des Wirtschaftssystems bezeichnet werden. Im zeitgeistlichen Zusammenhang ist die besondere Betonung dieser Aspekte zu beobachten. Manager werden zu Künstlern, Arbeitende zu Schöpfern erhoben. Eine ästhetische Sichtweise der Wirtschaft gewinnt immer mehr an Bedeutung und Kunst dient zunehmend als Instrument der Unternehmen. Doch von allen politischen Motivationen einmal abgesehen- ist dies wirklich neu? Der „BitterfelderWeg“ war eine künstlerische Bewegung in der DDR, die das künstlerische Laienschaffen fördern und thematisch die Probleme der Arbeitswelt aufgreifen sollte. Die Bitterfelder Konferenzen leiteten Bitterfelder Weg ein.

Der Film „Eine Umwanderung entlang des Bitterfelder Weges. Über Umwege.“ von Gottfried Binder und Juliane Richter setzt sich kritisch mit dem Konzept auseinander und weist kontrastierend zudem auf eine autonomiefördernde Kunstauffassung.

„Ebenso wie die Wirtschaft und die Verwaltung war die Kulturpolitik der DDR zentral organisiert. Mehr oder weniger kunstkompetente Politiker formulierten seit der Gründung des Staates Anweisungen, die die Kunst determinierten und die für die Entwicklung der Kultur richtungweisend sein sollten. `Greif zur Feder Kumpel, die sozialistische Nationalkultur braucht dich!´ wurde durch Walter Ulbricht zu einer ersten griffigen Parole der ersten Bitterfelder Konferenz.

Künstler gingen in die Betriebe, um einen Einblick in das wirkliche Leben zu erhalten. Auf der anderen Seite lernten die Werktätigen in Zirkeln, sich künstlerisch auszudrücken. Die Kunst und der Beruf des Künstlers galten nicht mehr als elitär und jeder körperlich schwer Arbeitende war ein potentieller Schriftsteller. Den Feierabend als Zeit der Muse und des Rückzugs sollte es nicht mehr geben. Auch in der zweiten Schicht wurde gearbeitet- an der Erziehung zu einem besseren Menschen.

Der Bitterfelder Weg ist kein originäres Konzept einiger Funktionäre mit Machterhaltungstrieb. Personen in verschiedenen Gesellschaftssystemen haben darüber nachgedacht, wie sich Kunst und Leben, Arbeit und Freizeit, Individuum und Gesellschaft zueinander verhalten und wie sie sich idealerweise verbinden und ergänzen könnten.“

Link zum Film:

Eine Umwanderung entlang des Bitterfelder Weges. Über Umwege.

Geschrieben in Community,Entdeckungen von Christian Ziems | Keine Kommentare

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